Biografie Yvonne Hofer

Biografie Yvonne Hofer

Im Vordergrund stehen Projekt und Lernerfahrung

Diese Biografie dient nicht dazu, Yvonne Hofer als Person in den Mittelpunkt zu stellen. Sie soll vielmehr nachvollziehbar machen, auf welchem Weg die Kompetenzen entstanden sind, auf denen ein wesentlicher Teil von SYSTHEMATIK heute aufbaut. Ein Weg, an dem zwangsläufig viele Menschen beteiligt waren – denn jede Begegnung, jede Zusammenarbeit und jede Auseinandersetzung machte alle Beteiligten zugleich zu Lehrenden und Lernenden.

Gerade Sozialkompetenzen lassen sich nicht allein theoretisch erlernen. Sie entstehen dort, wo sie tatsächlich gebraucht werden: im unmittelbaren Kontakt mit Menschen, in Konflikten, Krisen, Kooperationen, Machtverhältnissen und realen Konsequenzen. Obwohl gerade das aktuelle Weltgeschehen zeigt, wie sehr solche Kompetenzen fehlen, wird das Leben selbst noch viel zu selten als Forschungs-, Ausbildungs- und Entwicklungsraum verstanden.

Die folgende Biografie beschreibt deshalb keinen klassischen Erfolgs- oder Ausbildungsweg, sondern einen Lebensweg, in dem unterschiedlichste Lebensfelder zu genau solchen Lernräumen wurden.

Ob daraus tatsächlich Kompetenz entstanden ist, soll jedoch nicht die Biografie selbst beweisen. Denn ein Mensch lässt sich wesentlich verlässlicher über sein Handeln kennenlernen als über Titel, Worte, Erscheinung oder Selbstdarstellung. Entscheidend ist, was jemand mit seinen Erfahrungen heute tun, bewirken und an andere weitergeben kann.

Wer Yvonne Hofer verstehen möchte, findet den tieferen Zugang deshalb vor allem in dem, was sie tut, entwickelt und in die Welt trägt. Auch das, was auf dieser Plattform entsteht, repräsentiert letztlich die Prinzipien, nach denen sie selbst lebt und handelt.

Ein wichtiger Grundsatz von SYSTHEMATIK lautet daher:

Im Vordergrund steht niemals die Person selbst, sondern immer das Projekt, seine Wirkung und die Lernerfahrung, die daraus für alle Beteiligten entsteht.

Ein anderer Bildungsweg

Yvonne Hofer, Jahrgang 1983, interessierte sich bereits als Kind besonders für alles, was einem erkennbaren System folgte. Mathematik, Technik, Handwerk, Kreativität und Naturphänomene faszinierten sie weniger wegen der einzelnen Tätigkeit als wegen der Logik, Strukturen und wiederkehrenden Prinzipien dahinter.

Auch ihr familiäres Umfeld bot früh sehr unterschiedliche Perspektiven auf den Menschen: einen kreativen, verspielten und ideenreichen Vater, eine junge Mutter, die mit drei Kindern viel Verantwortung trug und sich stark an gesellschaftlichen Regeln und Erwartungen orientierte, sowie einen früh verstorbenen Stiefvater, bei dem persönliche Belastungen und Alkoholabhängigkeit neben grossen menschlichen Qualitäten standen.

Früh entstand daraus eine Wahrnehmung, die ihre spätere Arbeit wesentlich prägen sollte: Ein belasteter Mensch ist nicht mit seiner Belastung gleichzusetzen.

Auch die Schul- und Jugendzeit war bewegt. Mobbing, wechselnde Freundeskreise, Gruppendynamiken, ausgenutzte Bedürftigkeit, Ausgrenzung sowie Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen körperlicher und psychischer Gewalt machten ihr früh bewusst, wie stark Menschen durch Ängste, Erwartungen, Bedürfnisse und ihr soziales Umfeld beeinflusst werden.

Dabei erkannte sie früh, dass hinter all diesen Dynamiken etwas liegt, das sowohl Gewalt und Trennung erzeugen als auch Frieden und Verbindung ermöglichen kann: das Verständnis, das ein Mensch von sich selbst, vom Leben und von seinem Gegenüber entwickelt, nutzt und pflegt.

Obwohl ihr schulische Leistung grundsätzlich leichtfiel, entschied sich Yvonne nicht für eine frühe Spezialisierung oder einen klassischen akademischen Karriereweg. Glanz, Status und gesellschaftlich vorgezeichnete Erfolgslaufbahnen interessierten sie weit weniger als unterschiedliche Menschen und möglichst unterschiedliche Lebenswelten.

Freundeskreise, aussergewöhnliche Beziehungen, Party- und Nachtszene sowie später experimentelle Erfahrungen mit Suchtmitteln eröffneten ebenso unterschiedliche Erfahrungsfelder wie ihre beruflichen Stationen – von einfachen Tätigkeiten über die Finanzbranche bis hin zu verschiedenen Versuchen der Selbstständigkeit.

Hinzu kamen zahlreiche berufliche und private Veränderungen, unterschiedliche Positionierungen und Machtverhältnisse sowie mehr als 30 Umzüge noch vor ihrem 40. Lebensjahr. Auch Aus- und Weiterbildungen in unterschiedlichsten Bereichen – von beruflichen und kreativen Themen bis hin zu Fotografie, Psychologie, Bewusstseinsarbeit, Spiritualität und körperorientierten Methoden – wurden Teil dieses Weges. Vieles begann mit der Hoffnung, darin Antworten, Orientierung oder neue Möglichkeiten zu finden, verlor jedoch wieder an Bedeutung, sobald sich zeigte, dass es nicht wesentlich weiterführte.

So lernte Yvonne sehr unterschiedliche Lebensrealitäten, Hierarchien, Abhängigkeiten und Beweggründe kennen. Leistungsdruck, Karriere, Status und gezielte Beeinflussung gehörten ebenso dazu wie der Wunsch nach persönlicher und finanzieller Unabhängigkeit, Spielsucht, Risikoverhalten, finanzielle Schwierigkeiten, berufliche Brüche und die Erfahrung, zu scheitern und wieder neu anzufangen.

Phasen extremer Belastung führten sie mehrfach an persönliche Grenzen und unter anderem zu einem längeren Klinikaufenthalt. Gerade die Breite dieser Erfahrungen liess sie jedoch zunehmend erkennen, welche Mechanismen sich trotz völlig unterschiedlicher Menschen, Umfelder und Situationen wiederholen – und weshalb manche schwierigen Lebenssituationen immer wieder aufs Neue entstehen.

Vom Erleben zum bewussten Prüfen

Im Laufe ihrer Dreissiger veränderte sich diese Form der Lebensforschung. Schwierige Situationen wurden nicht mehr nur erlebt und im Nachhinein ausgewertet, sondern zunehmend bewusst zugelassen oder gewählt, um bereits erkanntes Verständnis praktisch zu überprüfen.

Insbesondere die Arbeitswelt bot dafür reale Lernfelder: Erwartungen nicht um jeden Preis zu erfüllen, offen auszusprechen, was tatsächlich wahrgenommen wurde, Machtverhältnissen zu widersprechen oder dabei auch einen Arbeitsplatz zu riskieren. Im Mittelpunkt stand zunehmend die Frage, welche Resonanz und Konsequenzen das eigene Handeln erzeugt – bei einem selbst, beim Gegenüber und im gesamten beteiligten Umfeld.

So liess sich bereits erlangtes Verständnis unter unterschiedlichen Menschen und Bedingungen immer wieder neu überprüfen. Gleichzeitig zeigte sich, dass selbst unangenehme Konsequenzen wie Kündigungen oder zerbrechende Beziehungen keinen persönlichen Schaden darstellen müssen, wenn verstanden wird, weshalb eine Entscheidung getroffen wurde und welchem übergeordneten Ziel sie dient.

Mit der Zeit wurden jedoch auch die Grenzen bestehender Lebens- und Arbeitsstrukturen immer deutlicher. Starre Hierarchien, festgelegte Aufgabenbereiche, persönliche Interessen und Machtverhältnisse liessen Entwicklung häufig nur bis zu einem gewissen Punkt zu. Dieselben Lebens- und Arbeitsfelder boten zunehmend weniger Möglichkeiten, grundlegend neue Kompetenzen zu entwickeln.

Damit wurde die nächste Entwicklungsstufe sichtbar: Es ging nicht mehr hauptsächlich darum, die eigenen Kompetenzen durch weitere persönliche Erfahrungen auszubauen. Die neue Herausforderung bestand darin, bereits erlangte und gelebte Kompetenz so weiterzugeben, dass sie anderen Menschen helfen konnte, eigene Entwicklungsschleifen zu verlassen und daraus wiederum neue Kompetenz entstehen zu lassen.

So entstanden über mehrere Jahre Modelle, die unter anderem nachvollziehbar machen, wie Druck und Stress entstehen, warum sich bestimmte Lebenserfahrungen wiederholen, wann Entwicklung ins Stocken gerät, wie Konflikte und Gewalt entstehen und weshalb ein Mensch etwas verstehen und dennoch nicht umsetzen kann.